IEN D-A-CH: Ignition wird oft als mehr als eine herkömmliche SCADA-Plattform beschrieben. Welche Rolle spielt Ignition in modernen Architekturen?
Cox: Ignition hat sich von klassischem SCADA zu einer universellen Integrationsplattform entwickelt, die Daten über den gesamten OT/IT‑Stack auf einer Codebasis vereint – von SPSen und Feldgeräten bis zu Unternehmenssystemen und Cloud. Heute dient Ignition als grundlegende Integrationsschicht. Durch ein serverzentriertes Web‑Bereitstellungsmodell lassen sich Anwendungen ohne separate Builds auf nahezu jedes Endgerät ausrollen. Als Unified Namespace der Fertigung schafft Ignition eine organisierte Echtzeit‑Datenebene, auf der alle Systeme publizieren und zugreifen. Das beseitigt Silos und ermöglicht eine kontextbezogene Sicht auf die Abläufe – verfügbar für die richtigen Personen, unabhängig vom Ort. Für die digitale Transformation von Unternehmen ist Ignition das Fundament, nicht nur ein Werkzeug.
IEN D-A-CH: Wie unterstützt Ignition die Zusammenführung von IT und OT in der Praxis?
Cox: Ignition überbrückt die IT/OT‑Lücke, weil es beide Welten nativ beherrscht. In der OT: Anbindung an nahezu jede SPS, an Feldgeräte und gängige Industrieprotokolle – inkl. nativer Treiber, OPC UA, MQTT und CESMII i3X, und das herstellerunabhängig. Für die IT: nahtlose Integration in SQL‑Datenbanken, Kafka, REST‑APIs und Fachanwendungen. Das Ergebnis ist eine einzige, kontextualisierte Datenumgebung statt Silos.
In der Praxis bewegt Ignition Daten nicht nur, es kontextualisiert sie: mit Historie, Alarmen und Struktur. So werden Echtzeit‑Produktionsdaten unternehmensweit nutzbar.
Ingenieure erhalten Einblicke in die Prozessleistung, IT‑Teams verlässliche Pipelines, Führungskräfte Dashboards, die das Fertigungsgeschehen widerspiegeln. Produktion und IT arbeiten auf derselben aktuellen, vertrauenswürdigen Basis.
IEN D-A-CH: Welche Vorteile bringt die modulare, offene Architektur für Integratoren und Anwender?
Cox: Die modulare Architektur erlaubt Integratoren und Endanwendern, exakt das System aufzubauen, das sie benötigen – schrittweise erweiterbar, ohne starres Gerüst und ohne für ungenutzte Funktionen zu zahlen. Module liefern gezielte Funktionen, sodass Teams fokussiert starten und die Plattform mit den Anforderungen wachsen lassen.
Besonders wichtig ist das unbegrenzte Lizenzmodell. Tags, Clients, Benutzer und Geräteverbindungen sind in einer Flatrate enthalten, sodass beim Aufbau keine finanziellen Nachteile entstehen. Keine künstlichen Obergrenzen, die bei neuen Datenquellen, zusätzlicher Transparenz oder neuen Nutzergruppen Kosten‑Diskussionen auslösen. Die Plattform fördert kontinuierliche Verbesserung, statt sie zu bremsen. Iteratives Arbeiten wird zum Standard, weil Experimente und Rollouts nicht sofort Budget‑Hürden auslösen.
Dazu kommt die Offenheit: Python, SQL, OPC UA und MQTT als Grundlage. Integratoren nutzen vorhandene Skills und verbinden nahezu jedes System ohne Vendor‑Lock‑in. Das offene Modul‑SDK und die REST‑API erleichtern die Einbindung neuer Tools und Technologien – von Cloud‑Analytics über neue Protokolle bis zu KI‑Plattformen. So können Unternehmen laufend optimieren und erweitern; die Anfangsinvestition gewinnt Wert, weil die Plattform mitwächst. Gleichzeitig sinken Integrationsrisiken, da auf offenen Standards aufgebaut wird.
IEN D-A-CH: Wie unterstützt Ignition verteilte Architekturen (Edge – Anlage – Cloud)?
Cox: Ignition ist für verteilte, mehrschichtige Architekturen gebaut und bedient jede Ebene mit einer passenden Edition, die nahtlos zusammenspielen. Am Rand erweitert Ignition Edge die Plattform auf Feldgeräte und OEM‑Ausrüstung und ermöglicht lokale Datenerfassung, Visualisierung und Synchronisation, selbst bei begrenzter Konnektivität. Intelligenz und Transparenz entstehen dort, wo Daten generiert werden, statt von einer ständigen Verbindung zur Zentrale abhängig zu sein.
Auf Anlagenebene fungiert Standard‑Ignition als zentraler Hub: Es aggregiert Edge‑Daten, liefert Kontext und Historie und stellt Informationen für Bediener und Anwendungen bereit. Die Ignition Cloud Edition nutzt elastische Infrastruktur (z. B. AWS, Azure) für unternehmensweite Dashboards, langfristige Datenspeicherung und die Integration mit Analytics‑ und ML‑Diensten – im Pay‑as‑you‑go‑Modell. Alle drei Ebenen, Edge, Anlage und Cloud, laufen auf derselben Plattform mit einheitlicher Entwicklungsumgebung und Datenmodell: keine Fragmentierung, keine Übersetzungsschichten, keine separaten Tools je Ebene.
IEN D-A-CH: Cybersicherheit und Skalierbarkeit sind zentrale Anliegen. Wie adressiert Ignition diese Themen?
Cox: Die Sicherheit basiert auf einer einheitlichen Architektur nach Industriestandards und einem mehrschichtigen Ansatz. Sämtliche Verbindungen sind mit TLS 1.2/1.3 verschlüsselt, der Standard, dem auch Finanzinstitute vertrauen. Rollenbasierte Zugriffskontrolle und Sicherheitszonen erlauben präzise Steuerung, wer von wo auf welche Ressourcen zugreift, vor Ort oder per Fernverbindung. Die integrierte Benutzerüberwachung schafft Transparenz und hilft, Anomalien frühzeitig zu erkennen. Inductive Automation ist nach ISA/IEC 62443‑4‑1 zertifiziert und ISO 9001‑konform.
Zur Skalierung setzt Ignition auf eine Server‑Flatrate statt Abrechnung pro Tag/Client/ Benutzer – ohne künstliche Limits wie in vielen SCADA-Systemen. Unternehmen können unbegrenzt Tags hinzufügen, Geräte anbinden und auf unbegrenzt vielen Clients bereitstellen, ohne zusätzliche Lizenzkosten. So passt sich die Plattform den Zielen des Unternehmens an. In Kombination mit der Möglichkeit, die Lösung vor Ort, am Netzwerkrand oder in der Cloud bereitzustellen – und Cloud-Instanzen je nach Bedarf elastisch zu vergrößern oder zu verkleinern – bietet Ignition industriellen Betreibern eine Plattform, die mit ihnen wächst, ohne finanzielle Nachteile oder architektonische Umgestaltungen.
IEN D-A-CH: Wie ist Ihr Ausblick auf die nächsten Jahre für KI und die datengesteuerte Fertigung?
Cox: Zwei Trends verstärken sich gegenseitig: tiefere Integration und intelligente Automatisierung. Unternehmen stellen auf Unified‑Namespace‑Architekturen um, bauen kontextreiche Datenmodelle vom Edge auf, standardisieren die Strukturierung und Veröffentlichung von Daten und verbinden diese Umgebungen über Werke und Geschäftsbereiche hinweg. Isolierte SCADA‑Systeme verschwinden und wer die Integrationsbasis schnell legt, kann neue Entwicklungen am besten nutzen.
Der nächste Hebel ist KI – in zwei Bereichen. Erstens KI‑gestützte Entwicklung: Ingenieure erstellen, konfigurieren und warten Anwendungen schneller mit weniger Ressourcen. Zweitens KI‑Agenten, die direkt auf Live‑Industriedaten arbeiten und Tätigkeiten übernehmen, die heute Experten erfordern: Anomalieerkennung, vorausschauende Wartung, Ursachenanalyse, Alarmrationalisierung, Energieoptimierung, Prozessverbesserung.
Inductive Automation verfolgt dies mit einem MCP‑Modul zur KI‑Integration und dem Ziel, vollständige Agenten‑Workflows direkt in die Plattform zu integrieren. Erfolgreich werden Plattformen sein, die eine vertrauenswürdige, offene und gut strukturierte Grundlage bieten, auf der industrielle KI verlässlich aufgebaut und eingeführt werden kann und nicht die mit den meisten Features.






















