Handlungsfähig bleiben unter schwierigen Versorgungsbedingungen

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Neues Vorstandsgremium der COGD rät produzierenden Unternehmen zu mehr aktivem Obsoleszenz-Management

Dr. Wolfgang Heinbach (Geschäftsführer GMP German Machine Parts), für weitere 2 Jahre als Vorstandsvorsitzender der COGD bestätigt.
Dr. Wolfgang Heinbach (Geschäftsführer GMP German Machine Parts), für weitere 2 Jahre als Vorstandsvorsitzender der COGD bestätigt.

Vor allem Hersteller besonders langlebiger Geräte und Anlagen haben schon seit Jahren zunehmend mit Beschaffungsproblemen zu kämpfen. Kurzfristig abgekündigte oder aus anderen Gründen auf dem Markt nicht mehr erhältliche Ersatzbauteile und Werkstoffe verursachen allein in Deutschland jährlich Ausfallschäden in dreistelliger Millionenhöhe

Wie extrem anfällig heutige Supply Chains für unterschiedlichste externe Störeinflüsse sind, offenbart sich in vollem Umfang allerdings erst seit Beginn der Corona-Pandemie. Das wurde auch auf der kürzlich stattgefundenen virtuellen Mitglieder-Hauptversammlung des Component Obsolescence Group Deutschland (COGD) e.V. deutlich. Obwohl in der COGD vertretene Unternehmen in der Regel bestens auf mögliche Obsoleszenz-Szenarien vorbereitet sind, bewertet ein Großteil der aktuell 162 Verbandsmitglieder die aktuelle Situation auf dem Komponentenmarkt inzwischen als besorgniserregend und wachstumsgefährdend

Kritische Entwicklung der Lieferzeiten

„Viele elektronische Komponenten einsetzende Industrieunternehmen haben in Teilbereichen jetzt schon große Probleme, sich ausreichend mit der benötigten Ware zu versorgen. Dabei könnte das erst der Anfang einer längeren Durststrecke sein. Nachdem wichtige Rohstoffe wie beispielsweise Kupfer immer knapper werden und die Lieferzeiten für manche Halbleiterprodukte bei Neubestellungen inzwischen auf bis zu 30 Monaten angestiegen sind, rechnen wir bei einem gleichzeitig weiteren Anziehen der Weltkonjunktur mit der möglicherweise längsten Bauteile-Allokation der letzten Jahrzehnte. Problematisch ist nicht nur die Verknappung an sich, sondern auch die damit einhergehende extreme Verteuerung mancher Komponenten, die bei manchen Produkten einige hundert Prozent betragen kann. Bedauerlicherweise scheint manchen Herstellern der schnelle Dollar in solchen Zeiten offensichtlich wichtiger als die Einhaltung langfristiger Lieferverträge. Auch das zeigt den Ernst der Lage“, so Dr. Wolfgang Heinbach, Vorstandsvorsitzender der COGD. 

Neubesetzungen im Vorstand

Mit allen Verbandsmitgliedern gemeinsam diesen gewaltigen Herausforderungen stellen will sich die auf der Jahreshauptversammlung für die nächsten zwei Jahre neu gewählte siebenköpfige Vorstandschaft der COGD. Neben dem bei der Wahl für weitere zwei Jahr im Amt bestätigten Dr. Wolfgang Heinbach (Geschäftsführer GMP German Machine Parts), seinem Stellvertreter Axel Wagner (Head of Consulting, Legal & Compliance Prettl Electronics GmbH) und Kassenwartin Irina Werle (Obsoleszenzmanagerin BMK Group GmbH & Co. KG) gehören dem Gremium Frank Mützner (Long Term Availability Manager Osram Continental), Joachim Tosberg (Life Cycle Management RAFI), Stefanie Kölbl (Geschäftsbereichsleiterin Embedded TQ-Systems) und Christin Otto (Division Managerin Produkt Management Standard & Support Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG) an. Alle Mitglieder des neuen Führungsteams zeichnen sich durch hohe fachliche Kompetenz und langjährige Erfahrung in unterschiedlichsten Bereichen des Obsoleszenz- und Beschaffungs-Managements aus. „Gerade in schwierigen Zeiten spielt Erfahrung bei der Risikobewertung eine besonders große Rolle. Unser Bestreben ist es deshalb, möglichst viele Personen und Unternehmen von unserem Erfahrungsschatz partizipieren zu lassen“, so Dr. Heinbach. 

Besonders hart betroffen von der derzeitigen Entwicklung sind Hersteller aus Bereichen wie der Automobil-, Raumfahrt-, Militär-, Bahn-, Kraftwerks-, Medizin- und Automatisierungstechnik, die für Ihre Geräte- und Anlagen oftmals jahrzehntelang Ersatzteile benötigen. Die Verknappung in vielen Bauteilebereichen könnte dazu führen, das ältere Produktlinien aus wirtschaftlichen Erwägungen noch schneller als bisher abgekündigt werden. Weiteres Ungemach droht von verschärften Umweltauflagen, -verordnungen und -gesetzen wie z.B. die aufwendige Versorgung der SCIP- Datenbank mit Produktdaten.“ Auch sie werden die Suche nach den geeigneten Bauteilen und Komponenten nicht gerade vereinfachen. Dr. Heinbach empfiehlt betroffenen Unternehmen deshalb künftig einen noch offensiveren Umgang mit dem Thema Obsoleszenz. „Die Summe der potentiellen Störfaktoren war leider noch nie so hoch wie heute. Insofern kann ich jedem Unternehmen nur raten, seine Lieferanten und Lieferketten noch einmal genau auf etwaige Schwachstellen zu überprüfen. Das gilt insbesondere für Firmen, die bislang glaubten, auch künftig ohne aktives Obsoleszenz Management auskommen zu können.“

Unterstützung beim Aufbau eines strategischen Obsoleszenz Managements finden Interessenten bei der 2005 gegründete Non-Profit-Industrieorganisation COGD. Der Verband bietet Unternehmen und Personen die Möglichkeit, sich über geeignete Verfahren und Lösungen auszutauschen und in gemeinsamen Arbeitsgruppen die Entwicklung effizienter Obsoleszenz-Strategien voranzutreiben. Neben vierteljährlichen Zusammenkünften mit Fachvorträgen, Berichten von Arbeitsgruppen und Diskussionsgruppen stehen dafür eine Vielzahl weiterer Plattformen für den direkten und indirekten Informationsaustausch rund um die Themen Obsoleszenz-Vermeidung und -Management zur Verfügung. Ausführliche Informationen zur Component Obsolescence Group Deutschland e.V. finden Interessenten auf der Verbands-Homepage unter www.cog-d.de.
 

Veröffentlicht am Juli 12, 2021 - (28 views)
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