3D-Druck, Kunststoffe, Filamente: Im Gespräch mit Tom Krause, Produktmanager Tribo-Filament bei Igus

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Entwicklungen der Nachfrage nach Filamenten erklärt von einem führenden Anbieter im Bereich 3D-Druck und Kunststoffe

Automatisierungstechnik, 3D-Druck

3D-Druck, Kunststoffe, Filamente: Im Gespräch mit Tom Krause, Produktmanager Tribo-Filament bei Igus
3D-Druck, Kunststoffe, Filamente: Im Gespräch mit Tom Krause, Produktmanager Tribo-Filament bei Igus

IEN D-A-CH: Igus bietet vier verschiedene Filamente an: Iglidur J260-PF, Iglidur I180- PF, Iglidur I180- PF-BL und Iglidur I170-PF. Wie entwickelt sich die Nachfrage?
Tom Krause: Die Nachfrage nach unserem Tribo-Filament steigt kontinuierlich. Sowohl was das reine Material angeht als auch die eingehenden Aufträge in unserem 3D-Druckservice. Hier bieten wir Nutzern an, innerhalb weniger Tage Bauteile zu drucken und haben hierfür nun eine komplett automatische Anfrageseite.

IEN D-A-CH: Welche Bedeutung kommt den Tribo-Kunststoffen für das Lasersinter-Verfahren zu?
Krause: Im Vergleich zum FDM-Verfahren, für das wir unsere Tribo-Filamente entwickelt haben, können im Lasersinter-Verfahren Bauteile präziser und mit einer höheren Festigkeit gedruckt werden. Dadurch können die im SLS-Verfahren hergestellten Verschleißbauteile aus Iglidur I3 bei noch höheren Lasten eingesetzt werden. Der Druckservice für dieses Verfahren wird voraussichtlich im Frühjahr zur Verfügung stehen.

IEN D-A-CH: Wie nahe kommen sich 3D-Druck und Spritzguss bei Qualität und Kosten?
Krause: Im vergangenen Jahr haben wir in unserem Testlabor Bauteile aus den verschiedenen Herstellungsverfahren verglichen. Dabei hat sich gezeigt, dass die Verschleißfestigkeit der gedruckten Teile mit den im Spritzgussverfahren hergestellten durchaus mithalten kann. Gerade für Kleinserien und Prototypen eignet sich daher der 3D-Druck als kostengünstige Alternative. Für größere Stückzahlen rechnet sich jedoch die Herstellung eines Spritzgusswerkzeuges, dessen Anschaffungskosten sich dann durch die hohe Fertigungszahl amortisieren. Hinzuzufügen ist jedoch, dass die Bauteilgenauigkeit von im 3D-Druck hergestellten Teilen noch nicht der des klassischen Herstellungsverfahrens entspricht.

IEN D-A-CH: Welche Entwicklung erwarten Sie für die Zukunft?
Krause: Aufgrund der bekannten Vorteile - keine Werkzeugkosten, individuelle Teile wirtschaftlich fertigen in kleinen Stückzahlen ... - wird sich die Produktion per Additive Manufacturing, also 3D-Druck, weiterentwickeln und die klassischen Herstellungsverfahren bei kleinen Losgrößen mehr und mehr ablösen. Viel Potenzial steckt auch in hybriden Verfahren, bei denen das Bauteil formnah gedruckt wird und danach wichtige Funktionsflächen überarbeitet werden.

IEN D-A-CH: Absehbar, dass 3D-Drucker und Filament so schnell und günstig und werden, dass Sie in den Bereich der Spritzguss-Serienfertigung vordringen?
Krause: Bei dem 3D-Druck mit Filament ist dies noch nicht absehbar, schon eher beim wesentlich schnelleren Lasersintern. Dort werden mit den Standardmaterialien bereits Serien mit einem Jahresbedarf von mehreren 1.000 Stück realisiert. Dies lohnt sich insbesondere dann, wenn die hohe konstruktive Freiheit vom 3D-Drucken gebraucht wird, um so zum Beispiel mehrere Funktionen in einem Bauteil zu vereinen. Bei einfachen Teilen und hohen Stückzahlen ist jedoch in der Regel das Spritzgussverfahren günstiger. Die Entwicklung der 3D-Drucker bleibt jedoch nicht stehen. Die Geschwindigkeit nimmt weiter zu, zum Beispiel durch den Einsatz von mehreren Lasern, Druckköpfen in einem Bauraum oder durch eine Flächenbelichtung anstatt einer punktuellen Belichtung mit einem Laser.

IEN D-A-CH: Ist die Herstellung von Igus Filamenten ein logischer Windfall-Profit Ihrer bestehenden Kunststoff-Kompetenz oder mussten Sie in diesem Bereich noch viel hinzulernen?
Krause: Sicherlich hat uns unser Kunststoff-Knowhow geholfen, die Tribo-Materialien für diese Technologie zu entwickeln. Trotzdem mussten wir auch einen Lernprozess durchgehen, entwickeln, testen und ausprobieren. Damit werden wir auch in den kommenden Jahren weitermachen.

IEN D-A-CH: Sie bieten seit Anfang 2015 Ihren Kunden an, ab 24 Stunden im 3D-Druck Teile bei Igus fertigen zu lassen. Wie ist die Nachfrage?
Krause: Das Interesse daran ist groß und die Nachfrage steigt kontinuierlich. Daher haben wir auch unseren Druckerpool im letzten Jahr erweitert und die neue Bestellseite für den 3D-Druckerservice erstellt.

IEN D-A-CH: Lassen Kunden auch wettbewerbssensible Prototypen bei Ihnen fertigen?
Krause: Alle Kundenanfragen werden bei Igus mit höchster Diskretion behandelt, dies ist unabhängig davon ob es um den 3D-Druck von einem Prototyp oder der Beauftragung eines Spritzgusswerkzeuges für die Großserie geht.

IEN D-A-CH: Herr Krause, vielen Dank für das Gespräch.

Veröffentlicht am Februar 16, 2016 - (11107 views)
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